Aktion "Restcent"
Lohnzahlungen bei Angestellten variieren jeden Monat. Zuschläge, Urlaubsgeld, Erstattungen, Kilometergeld, Abzüge wegen Privattelefonaten oder Essensmarken, ständig wird etwas rauf oder runter gerechnet. Kaum ein Monat, in dem der Lohn centgenau dem des Vormonats entspricht. Wer achtet schon auf diese Beträge hinter dem Komma? Wahrscheinlich würden viele den Verlust nicht einmal merken, es ist nur der Gegenwert von zwei bis drei Brötchen oder einigen Zigaretten. Das ist der Grundgedanke der "Aktion Restcent", eine Abtretung der Lohnzahlungen hinter dem Komma zugunsten eines sozialen Projekts. Was dem Einzelnen nicht weh tut, kann sich auf der anderen Seite zu hohen Summen addieren. Eine solche Aktion bedarf eines Arbeitgebers mit einigen Tausend Beschäftigten. Dem DiCV Würzburg sind fast 1.000 soziale Einrichtungen angeschlossen: Kindergärten, Jugendhilfe- oder Senioreneinrichtungen, Schulen, Sozialstationen und Beratungsstellen. Dazu kommen caritative Ordensgemeinschaften und Fachverbände. Weit über 14.000 Menschen arbeiten hier. Einige größere Einrichtungen erledigen ihre Personalabrechnung selber, ca. 9.500 Personalfälle rechnet der Caritasverband im Haus ab. Dieses zentrale System ermöglicht die Einbindung, kostenlose Benachrichtigung aller Beschäftigten und automatische Verteilung der Unterlagen über die Lohnbriefe.
Die EDV ist das Wichtigste
Das vom zuständigen Rechenzentrum in Eichstätt benutzte und bundesweit eingesetzte Programm KiDiCaP (Kirche-Diakonie-Caritas-Personal) bietet die Möglichkeit, feste oder variable Beträge individuell abzuziehen. Neben der Centspende besteht auch die Möglichkeit der monatlichen Eurospende. Dazu ermöglicht KiDiCaP am Jahresende die Addition der Beträge auf der Lohnsteuerkarte, so dass alle Teilnehmer ihre Spende steuerlich geltend machen können. Darüber hinaus muss sichergestellt sein, dass auch neu eingestellte Beschäftigte eingebunden werden. Mit der AKDB (Anstalt für kommunale Datenverarbeitung in Bayern) und G.O.D. haben zwei weitere bundesweite Lohnabrechnungsfirmen ihre Tauglichkeit hierfür unter Beweis gestellt.
Erfolgreicher Start
Der DiCV Würzburg startete im Januar 2002 als erster katholischer Verband in Deutschland mit einer solchen Aktion. Einmal im Jahr werden seitdem die Beschäftigten mittels der Lohnbriefe informiert. Im Februar/März erfolgt die Ausschüttung. 50.000 Euro waren es in drei Jahren, über 1.200 Caritäter treten hierfür ihre Cents ab. Porto-, Lohn- oder Buchungskosten fallen nicht an. Jeder größere Betrieb oder Verband kann die Aktion übernehmen. Anfragen kamen von vielen Firmen und kirchlichen Verbänden. Die prominentesten waren die Lufthansa und das Europarlament. Der DiCV Passau hat das System erstmals 2004 übernommen und schon beim ersten Durchlauf über 8.000 Euro erzielt.
Projekte im Ausland
Die "Aktion Restcent" unterstützte bei ihren ersten Ausschüttungen ein Caritas-Haus für behinderte Kinder in Bosnien, ein Malariaprogramm des Missionsärztlichen Instituts in Zentralafrika und Integrationsmaßnahmen für Flüchtlingskinder in unserer Diözese. Im Jahr 2006 wurde die Ausschüttung erstmals geändert. Angesichts der katastrophalen Verhältnisse nach dem Erdbeben in Pakistan im Winter 2005/2006 bekam Caritas international 13.000 Euro für die Pakistanhilfe. Weitere 1.500 Euro gingen an die Betreuung von Flüchtlingsfamilien in der Würzburger Aufnahmeeinrichtung.
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